Kurzschauen besetzen einen sehr individuellen Sektor innerhalb der Gattung Audio-Visions-Schau.

Erdacht worden ist sie, um eine Geschichte zu erzählen, um ein Thema punktförmig zu beleuchten und darzustellen, mit Bildern, mit Ton und mit Sprache.

Sie sind die Königsklasse. Sie erfordern viel Vorbereitung: am Anfang steht die Geschichte, die beabsichtigte Aussage. Erst danach folgen die Bilder  –  konsequent ausgerichtet auf das Thema.

Für Uneingeweihte ist das kaum nachzuvollziehen.  Immer und überall kreuzt die Geschichte durch den Kopf, fordert optisches und hoch sensitives Sehen, entwickelt sich weiter und schwebt auch auf unvorhergesehene Bahnen. Ist das erstmal einigermaßen geordnet, ist der Kopf vorbereitet auf die Texte. Wenig Text ist gefragt, konzentriert auf das Wesentliche, aussagekräftig. So etwas ist erst dann „vollständig“, wenn man nichts mehr weglassen kann.

Ist man auch hier gut vorangekommen, geht es an das Verweben aller Fasern des Projekts, an die Programmierung der Schau. Zu den „Fasern“ gehören auch Geräusche, Sprache und Musik, die die Aussagen begleiten und bekräftigen, die das Gehör und den Sensus des späteren AV-Schau-Konsumenten ansprechen sollen.

Ist die Schau dann schließlich fertig, ist das meist nur die erste Fassung. Der Ersteller geht auf Suche nach Webfehlern, nach holprigen Stellen, nach Sprechfehlern und Verbesserungs-Möglichkeiten.

Hat er das alles hinter sich gebracht, läuft die Schau in zwei, in drei oder auch sechs Minuten über die Leinwand. Ein Konzentrat aus unendlich vielen Gedanken und Stunden, Tagen und Wochen, die niemand je gezählt hat oder je zählen könnte.

Hannelore und Fritz Geiger haben Ende März 2014 sieben solcher Kurzschauen auf die Leinwand gebracht, vor einem sachkundigen Publikum, das das weite Spektrum der echten AV-Kurzschauen schätzt.

Aufschlussreiche Diskussion nach jeder Schau und großer, anhaltender Applaus. 

April 2014

Harald Bernstein